ADHS verstehen – Schule neu denken
Wenn ADHS den Schulalltag prägt – Austausch, der bewegt
Wie erlebt ein Mensch mit ADHS den Schulalltag – damals als Kind und heute als Erwachsener? Und was bedeutet das für den Unterricht von heute?
Mit diesen Fragen startete im zweiten Semester des Schuljahres 2025/26 an der Schule Oberägeri eine besondere Veranstaltungsreihe. Gemeinsam mit ADHS-Coach Christoph Schnitter organisierte die Schulische Heilpädagogin Susanne Hess drei freiwillige Veranstaltungen, die auf dem Buch ADHS Praxisnaher Leitfaden für Lehrkräfte von Donatella Arcangeli basierten und sich den zentralen Aspekten von ADHS widmeten: Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit.
Jeder Anlass stellte eines dieser Themen ins Zentrum – und wurde zu einem lebendigen Austauschraum. Lehrpersonen, Fachkräfte und Schulleitungen kamen zahlreich zusammen, hörten zu, fragten nach und diskutierten. Lehrperson: «Jedes Kind reagiert anders, und was bei dem einen funktioniert, passt beim nächsten vielleicht gar nicht. Diese Offenheit finde ich sehr wichtig.» Das grosse Interesse zeigte deutlich: ADHS ist im Schulalltag präsent – und bewegt.
Christoph Schnitter machte das Thema greifbar. Offen und direkt erzählte er von seiner eigenen Schulzeit, von Herausforderungen und Missverständnissen, aber auch von Strategien und Wegen, die ihm geholfen haben. Dabei wurde immer wieder deutlich, was im Umgang besonders entscheidend ist: Kinder mit ADHS brauchen vor allem Klarheit in den Aussagen, verlässliche Strukturen und ein echtes Verständnis für ihre Schwierigkeiten.
Heute bringt er diese Erfahrungen in seine Arbeit als Klassenassistenz und Familiencoach ein – und schlägt damit eine Brücke zwischen persönlicher Geschichte und schulischer Praxis. Lehrperson: «Besonders interessant war für mich die Perspektive von jemandem, der selbst mit ADHS durch die Schulzeit gegangen ist und jetzt in Schulen arbeitet.»
So entstand ein Raum, in dem Wissen nicht nur vermittelt, sondern erlebt wurde. Fragen fanden Antworten, Unsicherheiten wurden angesprochen und neue Perspektiven eröffnet. Am Ende nahmen die Teilnehmenden vor allem eines mit: ein vertieftes Verständnis – und viele konkrete Ideen, die sich direkt im Unterricht umsetzen lassen.
Susanne Hess, Schulische Heilpädagogin an der Schule Oberägeri, Juni 2026
